La Merica - Chronologie eines Scheiterns

Heute war der große Tag, es sollte gemeinsam mit Agnes, die auf unserem Event gewesen war und die die Strecke kannte, von Arure aus bis zur Spitze des "La Merica" gewandert werden. Unterwegs wollten wir die am Wegesrand liegenden Caches einsammeln.

Auch, wenn ich der Meinung war, dass wir (sehr) früh los müssen, waren die Damen der Ansicht, 9 Uhr reicht. Also ab ins Auto, hoch nach Arure, alles, was noch nicht geloggt war, musste warten.

Auch den oben in Arure ließen wir, können wir ja auf'm Rückweg, war die Devise - was für ein Irrglaube!

Aber nochmals zurück ins Valle, nach La Playa, nette 20°C am Morgen, aber man weiß ja nie, Pullover lagen jedenfalls im Kofferraum.

Und so begann am Parkplatz am Anfang des Weges das Drama seinen Lauf zu nehmen. Waren wir doch gestern wegen Extremwetterwarnung mit dem Auto im Nationalpark umgekehrt, zeigte sich bereits beim Aussteigen aus dem Auto, was sowas bedeutet. Ich glaube, der aktuelle Wind hat uns allem drei erst mal die Autotür vor den Klotz geschlagen, wäre ein Bein schon raus gewesen, wäre eine Unterschenkelfraktur das Mindeste gewesen.

An dem Punkt fiel mir Grönemeier und "Männer" ein, Bange machen gilt nicht, einmal noch die Frage, ob denn wirklich, keine Widerrede, also Hopp.

Ach ja, gut, dass die Pullis dabei waren, nur das Anziehen gestaltete sich äusserst schwierig - bei Windböen um die 80 Km/h.

Aber fröhlich das das Lied aus "Stand by me" angestimmt, als Gordie und seine Freunde Chris, Teddy und der etwas tollpatschige Vern sich auf die Suche nach der Leiche von Ray Brower machen:

Hab ein Gewehr geladen
in der starken Hand
Zieht ein Ritter ohne Rüstung
durch das wilde Land
Auf der Jagd nach dem Mörder
folgt er nur dem Wind
Ein Soldat, der das Glück sucht,
ist der Mann, den jeder kennt

ging es dann los. Quatsch, Nonsens, keinem war nach Singen, jeder musste erst mal seinen Rhytmus finden - also nicht beim Nichtsingen.

Schon die erste Kehre nährte Zweifel, ob das gelingen kann. Silvi, also Meins, war heillos überfordert ob dieser Naturgewalten, wollte sich am Felsen festkrallen, umkehren. Da meldet sich dann der Beruf, einfühlsames Becircen, rechts und links Unterhaken, alles wird gut,

Und dann stand nach der übernächsten Kehre auf einmal der Gehörnte und seine Schar vor uns. Uff, Glück gehabt, nur Ziegen und ihr Bock, gezwirbeltes Gehörn, majestätisch.

Der Blick richtete sich nach vorne, der Wind trieb uns weiter, jetzt wartete der Abscnitt ohne jeglichen Schutz davor, der Bergsattel, Wenn ich hier an frühere Erzählungen denke und dass das hier die Müllkippe von La Gomera war - na Mahlzeit. Auch heute noch begegnet man überall Resten dieser Umweltverschmutzung.

Also schnell über den Kamm, der Weg hier ist ja richtig breit, quasi ausgelegt für Mülllaster, so konnte man auch nicht vom rechten Weg geblasen werden.

Ein paar hundert Meter weiter hatte auch das ein Ende, hier begann mit einer sogenannten Treppe, ausgewaschen, aufgeschichtet in Jahrhunderten. Ab um die Felsspitze herum, erste Rast, erst mal was trinken. Wenigstens etwas windstill war es hier.

Ach ja, hatte ich erwähnt, dass der usprüngliche Plan dahingehend war, dass wir von der Spitze des Merica die Steilwand runter wollten, auf dem GR 132-Wanderweg? Nicht? Auch egal, das war abgeblasen, zu schwierig bei den Verhältnissen. Ausserdem soll es, glaubt man den Geschichten, einfacher sein, da hoch zu gehen als runter.

Meter um Meter erwanderten wir uns unseren Weg, hier ist tatsächlich gutes Schuhwerk und Trittsicherheit gefragt, was bin ich froh, dass mein Ersatzteilknie so gut mitspielt. Lediglich der Sack Zement, den ich um die Hüften mit mir trug, machte etwas Probleme.

Ein bisschen unglücklich war der Sonnenstand, nicht nur, dass wir mittlerweile die Pullover verstaut hatten, sie stand genau im Rücken und machte jeden Schritt auf dem gerölligen Weg zu einem Glücksspiel, weil wir nahezu ständig in unserem eigenen Schatten liefen.

Eine Stunde waren wir jetzt schon unterwegs, überraschend gut vorangekommen sind wir, der erste Cache lag vor uns, "La Merica" ein kurzer Abstecher vom Weg.

So der Plan! Agnes hatte den schon, das sollte ja dann kein Problem werden! Wie man sich irren kann. Wir haben da oben eine gute Stunde gesucht, geflucht, waren der Aufgabe nahe, aber Agnes hatte der Ergeiz gepackt, sie gab und gab nicht auf. Und tatsächlich, ich war quasi schon auf dem Sprung, weiter zu gehen, erschallte ein lautes "Hab' ihn!".

Warum werden solche Caches nicht in der Nähe der vorhandenen geographischen Plakette versteckt, Plätze gäbe es da genug, sondern 15m weit in der Pampa, mit dem vielsagenden Hint "Unter Steinen" - war einer von euch schon mal da oben? "Unter Steinen" ist eine glatte Verarsche.

Und so war der Zeitplan doch schon ziemlich durcheinander, etwas über ein Kilometer fehlte noch bis zum "Ausguck" - den wir nie erreichen sollten.

Doch dazu gleich mehr, nach einer kurzen Rast, die Sonne stand mittlerweile im Zenit, kein Schatten weit und breit, verließen wir auf Höhenmeter 850 die Spitze des Merica, jetzt ging es stetig bergab bis zur Abbruchkante. Wieder auf dem GR 132 wurde dann tatsächlich die Frage gestellt, ob wir wirklich weiter sollen, dass muss alles wieder hoch gewandert werden, in der prallen Sonne, bei dem Stein- und Schotterweg?

Großkotzig habe ich mich aufgeplustert, "Ich geh' doch nicht bis hier her und kehre dann 1 Km vor dem Ziel um!", natürlich gehen wir weiter.

Und so nahm dann das Schicksal seinen Lauf. Nach knapp 200m ein Schritt zu lang, eine Stufe zu hoch und Badaufdich lag ich auf der Nase. Erst habe ich garnichts gespürt, aber schon beim Aufstehen war klar, für mich war dieser Teil des Weges hier zu Ende. Und nein, es war nicht das operierte Knie, das andere habe ich mir mächtig verdreht.

Hmmm? Was tun? Rettungshubschrauber? Sherpas? Eine Trage?

Hier kam dann wieder Grönemeier ins Spiel, Agnes hatte Wanderstöcke dabei, ich entschloss, hier abzubrechen und die fast vier Kilometer zurück zum Auto alleine mit den Stöcken zu laufen, während die Damen die restlichen Caches noch einsammeln, sie werden  mich schon einholen. Ausserdem ist es hier nicht wie bei uns zu Hause, hier funktioniert das Mobilfunknetz auch in entlegenen Gebieten, so dass wir in Kontakt bleiben konnten.

Und so machte ich mich, an Wanderstockkrücken langsam auf den Rückweg, jeden Schritt taxierend, vorsichtig, die Schmerzen ignorierend, man ist ja ein Mann.

Am schlimmsten war es dann bergab, bei jedem Tritt überlegend, welcher Fuss zuerst runter muss, ist der Untergrund rutschig oder fest, nur nicht wieder ausrutschen und die ganze Strecke ohne Schatten.

Ach ja, das hatte ich ja ganz ausgeblendet und es traf mich wie ein Hammer, als ich um die Ecke bog Windböe um Windböe fetzte mir um die Ohren, teilweise musste ich mich festhalten, teilweise schräg gegen den Wind legen, wenn nix zum Halten da war.

Besonders schlimm war es dieses Mal auf dem Sattel, kurz vorm Gehörnten, dort gabe es dann auch wieder Windschatten bis kurz vorm Auto. Nach knapp 4 1/2 Stunden fiel ich in den Sitz, wartete auf die anderen, die etwa eine halbe Stunde später um die Ecke kamen, fix und alle wie ich, froh, wieder zurück zu sein.

Ach ja, den "Ausguck" habe sie dann nicht mehr gemacht, der unerfüllte Traum bleibt weiter unerfüllt, aber es war wohl die richtige Entscheidung.

Und was bleibt als Fazit?

Es scheint tatsächlich, dass es, will man den ganzen Weg gehen, es von La Calera aus einfacher ist als von oben runter, denn es begegneten uns weit mehr als zehn Wanderer, die hoch kamen, aber nur eine, die den Weg nach unten suchte. Und in der Bratzelsonne laufen ist nicht angenehm, ob ich wieder von Arure aus hin und zurück laufen würde, bezweifle ich - wobei ich auch bezweifle, dass ich das jemals wieder laufe. Also wird mein Traum weiterhin unerfüllt bleiben.

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